Wegzugsbesteuerung - Wegzug ins Ausland?

Worum geht es bei der Wegzugsbesteuerung und wer ist betroffen?

Wenn ein in Deutschland Steuerpflichtiger - der Anteile an einer Kapitalgesellschaft hält - in das Ausland wegzieht, verliert der deutsche Staat den Zugriff auf die Veräußerungsgewinne von den Anteilen dieser Kapitalgesellschaft. Darum will der Fiskus vor dem Wegzug des Steuerpflichtigen Steuer erheben.

Das trifft besonders auf mittelständische Unternehmerfamilien mit vielen Familienangehörigen zu. Wenn ein Familienmitglied Deutschland verlässt, um z. B. in Paris zu studieren oder in Wien zu arbeiten, müssen sie ihre Firmenanteile versteuern, sofern es dort stille Reserven gibt. Allerdings stundet der Fiskus die Steuerforderung bei Wegzug in andere EU-Staaten oder EWR-Länder bislang dauerhaft. Genauso betrifft es Unternehmer von Start-ups, die international mobil sind.

 

Besonders an der Wegzugsteuer ist, dass sie auf noch nicht realisierte Gewinne angewendet wird. Das Finanzamt setzt dies in Form eines fiktiven Verkaufs der Anteile am Unternehmen zum normalen Verkehrswert um und setzt Einkommensteuer auf Basis dieses fiktiven Gewinns an. Auch, wenn eine natürliche Person ins Ausland wegzieht - die stillen Reserven an Beteiligungen im Privatvermögen müssen versteuert werden.

 

Die Bundesregierung hat am 24.03.2021 den Entwurf des Gesetzes zur Um­set­zung der An­ti-Steu­er­ver­mei­dungs­richt­li­nie (ATAD-Um­set­zungs­ge­setz - ATA­DUmsG) beschlossen. Steuerpflichtige mit Wegzugsplänen für 2021 sollten sich beraten lassen! 

 

Wann greift die Wegzugsbesteuerung?

  • wenn der Steuerpflichtige zuvor mindestens 10 Jahre lang in Deutschland steuerlich ansässig war

  • wenn er deutscher Staatsangehöriger ist

  • wenn er innerhalb der letzten 5 Jahre mit mindestens 1% an einer Kapitalgesellschaft beteiligt war (In- oder Ausland)

  • wenn er seinen deutschen Wohnsitz endgültig aufgibt


Ausgangspunkt für die Entstehung der Wegzugsbesteuerung war die Auswanderung von Helmut Horten, einem deutschen wohlhabenden Eigentümer einer Kaufhauskette, im Jahr 1968.  Er wanderte von Deutschland in die Schweiz aus. Durch den Wegzug konnte er die Gewinne aus dem Verkauf seiner Gesellschaft vollkommen steuerfrei vereinnahmen. Da dem deutschen Fiskus schon in ähnlichen Fällen Steuereinnahmen entgangen waren, bildete dies die Grundlage der Wegzugsbesteuerung. 

 

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